Prävention ist in der Neurologie zentral – aber sie scheitert im Alltag oft nicht am Wissen, sondern am Verhalten. Genau hier setzt das Konzept des Nudging an: Menschen sollen durch kleine, gezielte Veränderungen der Entscheidungsumgebung zu gesundheitsförderlichem Verhalten bewegt werden, ohne dass ihre Freiheit eingeschränkt wird. Der Beitrag von Tollens und Schäffer in der DGNeurologie diskutiert dieses Konzept für die präventive Neurologie anhand verhaltensökonomischer Prinzipien, praktischer Beispiele und ethischer Grenzen.
„Nudging in der Neurologie: kleine Anstöße, große Wirkung?“ weiterlesenKI in der MS-Versorgung: Patienten sind offen – aber nicht für eine Medizin ohne menschliche Verantwortung
Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend Teil medizinischer Versorgung. Gerade in datenintensiven chronischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) liegt das Potenzial auf der Hand: KI kann helfen, klinische Informationen zu strukturieren, Symptome longitudinal zu erfassen, Monitoring zwischen Visiten zu unterstützen und perspektivisch auch komplexe Entscheidungen vorzubereiten.
Aber eine zentrale Frage wird dabei oft zu spät gestellt: Wollen Patienten das überhaupt – und in welchen Rollen akzeptieren sie KI?
„KI in der MS-Versorgung: Patienten sind offen – aber nicht für eine Medizin ohne menschliche Verantwortung“ weiterlesenGeschlechtsspezifische Unterschiede bei früher Multipler Sklerose: Weniger relevant als gedacht?
Frauen erkranken deutlich häufiger an Multipler Sklerose als Männer. Gleichzeitig galt lange die Annahme, dass Männer zwar seltener betroffen sind, dafür aber häufiger einen schwereren Krankheitsverlauf entwickeln. Diese Perspektive hat die Diskussion über geschlechtsspezifische Unterschiede bei MS über Jahre geprägt – sowohl in Bezug auf Krankheitsbeginn und Progression als auch im Hinblick auf Therapieentscheidungen.
„Geschlechtsspezifische Unterschiede bei früher Multipler Sklerose: Weniger relevant als gedacht?“ weiterlesenWarum wir die Gehfähigkeit bei Multipler Sklerose neu denken müssen
Die Expanded Disability Status Scale, kurz EDSS, ist seit Jahrzehnten eines der wichtigsten Instrumente zur Beurteilung von Behinderung bei Multipler Sklerose. Sie wird in klinischen Studien, in der Versorgung und in der Verlaufsbeurteilung eingesetzt. Gerade im mittleren Bereich der Skala, etwa zwischen EDSS 4 und 6, spielt die Gehstrecke eine zentrale Rolle: Wie weit kann eine Patientin oder ein Patient noch gehen, bevor eine Pause notwendig wird?
„Warum wir die Gehfähigkeit bei Multipler Sklerose neu denken müssen“ weiterlesenMS-Therapie neu denken: Was kommt nach Anti-CD20?
Anti-CD20-Therapien wie Ocrelizumab haben die Behandlung der Multiplen Sklerose deutlich verändert. Sie unterdrücken fokale entzündliche Krankheitsaktivität sehr effektiv und gehören heute zu den wichtigsten hochwirksamen Therapieoptionen. Gleichzeitig wird im klinischen Alltag immer deutlicher: Eine dauerhafte B-Zell-Depletion ist nicht ohne Preis. Mit zunehmender Behandlungsdauer rücken Hypogammaglobulinämie, wiederkehrende Infektionen, eingeschränkte Impfantworten und altersbedingte Vulnerabilität stärker in den Vordergrund.
„MS-Therapie neu denken: Was kommt nach Anti-CD20?“ weiterlesenLow-grade Inflammation und kortikale Atrophie bei psychiatrischen Erkrankungen
Periphere Entzündungsprozesse rücken in der psychiatrischen Forschung zunehmend in den Fokus. Eine neue Studie in Brain, Behavior, and Immunity untersucht, ob niedriggradige systemische Entzündung, gemessen über hochsensitives C-reaktives Protein (hs-CRP), mit strukturellen Veränderungen der Hirnrinde verbunden ist – und ob dieser Zusammenhang diagnoseabhängig ist oder vielmehr eine gemeinsame, transdiagnostische Vulnerabilität widerspiegelt.
„Low-grade Inflammation und kortikale Atrophie bei psychiatrischen Erkrankungen“ weiterlesenWenn der Schlaganfall trotz Antikoagulation auftritt: Karotisplaques als unterschätzter Faktor
Ischämische Schlaganfälle bei Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern werden häufig primär als kardioembolisch verstanden. Eine neue Arbeit in Stroke weist jedoch darauf hin, dass dieses Bild zu kurz greifen könnte. In der RASUNOA-Prime-Kohorte wurden Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern untersucht, die innerhalb von 24 Stunden nach einem ischämischen Schlaganfall in eines von 46 deutschen Schlaganfallzentren aufgenommen wurden. Von insgesamt 2.737 eingeschlossenen Personen lag bei 1.464 eine CT-Angiographie vor, anhand derer die Karotiden zentral ausgewertet wurden.
„Wenn der Schlaganfall trotz Antikoagulation auftritt: Karotisplaques als unterschätzter Faktor“ weiterlesenAnti-CD20-Therapien im Real-World-Vergleich: Wirksamkeit ähnlich, Sicherheitsprofile unterschiedlich
Anti-CD20-Therapien sind aus der modernen Neuroimmunologie nicht mehr wegzudenken. Sie werden insbesondere bei Multipler Sklerose, aber auch bei weiteren neuroimmunologischen Erkrankungen eingesetzt. Während der gemeinsame therapeutische Ansatz – die Depletion von CD20-positiven B-Zellen – gut etabliert ist, bleiben direkte Real-World-Vergleiche zwischen den einzelnen Substanzen weiterhin klinisch relevant. Eine neue Studie in Frontiers in Immunology vergleicht nun Ocrelizumab, Ofatumumab und Rituximab hinsichtlich Wirksamkeit, Infektionsrisiko, Immunglobulinveränderungen und zellulären Immunprofilen.
„Anti-CD20-Therapien im Real-World-Vergleich: Wirksamkeit ähnlich, Sicherheitsprofile unterschiedlich“ weiterlesenFOOD-DM: Neuer Expertenkonsens für Ernährung bei Dysphagie und Mangelernährung
Dysphagie und Mangelernährung treten häufig gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken: Schluckstörungen erschweren die orale Nahrungsaufnahme, während Mangelernährung, Sarkopenie und Frailty wiederum die Schluckfunktion weiter beeinträchtigen können. Die Folgen sind klinisch relevant – von Aspirationspneumonie, Dehydratation und erhöhter Morbidität bis hin zu reduzierter Lebensqualität und eingeschränkter sozialer Teilhabe. Dennoch fehlt bislang ein einheitlicher Rahmen, der Lebensmittel und Getränke für Menschen mit Dysphagie und Mangelernährung nicht nur hinsichtlich ihrer Textur, sondern auch hinsichtlich ihres Nährwerts und ihrer transparenten Kennzeichnung bewertet.
„FOOD-DM: Neuer Expertenkonsens für Ernährung bei Dysphagie und Mangelernährung“ weiterlesenDepression als unterschätzter Kostenfaktor bei NMOSD
Eine neue multizentrische Studie der Neuromyelitis Optica Study Group (NEMOS) zeigt, dass depressive Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) nicht nur häufig auftreten, sondern auch einen wesentlichen sozioökonomischen Kostenfaktor darstellen.
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