Dysphagie und Mangelernährung treten häufig gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken: Schluckstörungen erschweren die orale Nahrungsaufnahme, während Mangelernährung, Sarkopenie und Frailty wiederum die Schluckfunktion weiter beeinträchtigen können. Die Folgen sind klinisch relevant – von Aspirationspneumonie, Dehydratation und erhöhter Morbidität bis hin zu reduzierter Lebensqualität und eingeschränkter sozialer Teilhabe. Dennoch fehlt bislang ein einheitlicher Rahmen, der Lebensmittel und Getränke für Menschen mit Dysphagie und Mangelernährung nicht nur hinsichtlich ihrer Textur, sondern auch hinsichtlich ihres Nährwerts und ihrer transparenten Kennzeichnung bewertet.
„FOOD-DM: Neuer Expertenkonsens für Ernährung bei Dysphagie und Mangelernährung“ weiterlesenDepression als unterschätzter Kostenfaktor bei NMOSD
Eine neue multizentrische Studie der Neuromyelitis Optica Study Group (NEMOS) zeigt, dass depressive Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) nicht nur häufig auftreten, sondern auch einen wesentlichen sozioökonomischen Kostenfaktor darstellen.
„Depression als unterschätzter Kostenfaktor bei NMOSD“ weiterlesenLiquor-Biomarker könnten Blutungsrisiko bei zerebraler Amyloidangiopathie besser vorhersagen
Die zerebrale Amyloidangiopathie, kurz CAA, ist eine der wichtigsten Ursachen lobärer intrazerebraler Blutungen im höheren Lebensalter. In der klinischen Praxis bleibt dabei eine zentrale Frage oft schwer zu beantworten: Welche Patientinnen und Patienten mit CAA haben ein besonders hohes Risiko, in Zukunft eine symptomatische Blutung zu erleiden? Bisher stützt sich die Risikoeinschätzung vor allem auf MRT-Marker wie kortikale superfizielle Siderose, Mikroblutungen oder bereits stattgehabte intrazerebrale Blutungen. Eine neue Arbeit von Arndt et al., erschienen in Annals of Neurology, erweitert diese Perspektive nun um Liquor-Biomarker der Amyloid-β-Pathologie.
„Liquor-Biomarker könnten Blutungsrisiko bei zerebraler Amyloidangiopathie besser vorhersagen“ weiterlesenNeue Therapieansätze bei Multipler Sklerose – wohin entwickelt sich das Feld?
ie Therapie der Multiplen Sklerose hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten enorm weiterentwickelt. Viele der heute verfügbaren Medikamente können Schübe effektiv reduzieren und entzündliche Krankheitsaktivität bremsen. Dennoch bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Bei vielen Patientinnen und Patienten schreitet die Behinderung langfristig weiter fort, auch ohne erkennbare Schübe. Genau hier setzen viele neue Forschungsansätze an.
„Neue Therapieansätze bei Multipler Sklerose – wohin entwickelt sich das Feld?“ weiterlesenCAR-T-Zellen bei Autoimmunenzephalitis: Wenn die Entzündung stoppt, aber die Neurodegeneration weiterläuft
CAR-T-Zelltherapien gehören zu den spannendsten Entwicklungen der modernen Immunmedizin. Ursprünglich vor allem aus der Hämatologie bekannt, rücken sie inzwischen auch bei schweren Autoimmunerkrankungen in den Fokus. Der Grundgedanke ist faszinierend: Immunzellen des Patienten werden so verändert, dass sie gezielt krankheitsrelevante B-Zellen erkennen und eliminieren können. Bei autoantikörpervermittelten Erkrankungen könnte dies einem tiefgreifenden immunologischen Neustart entsprechen.
„CAR-T-Zellen bei Autoimmunenzephalitis: Wenn die Entzündung stoppt, aber die Neurodegeneration weiterläuft“ weiterlesenNeue Hinweise auf Komplementaktivierung bei LRP4-Antikörper-positiver Myasthenia gravis
Die Myasthenia gravis ist keine einheitliche Erkrankung. Je nach Antikörperstatus unterscheiden sich Pathophysiologie, klinischer Verlauf und potenzielle Therapieansätze teils deutlich. Während die Rolle des Komplementsystems bei AChR-Antikörper-positiver Myasthenia gravis gut etabliert ist, war bislang weniger klar, ob und in welchem Ausmaß Komplement auch bei LRP4-Antikörper-positiver Myasthenia gravis eine Rolle spielt.
„Neue Hinweise auf Komplementaktivierung bei LRP4-Antikörper-positiver Myasthenia gravis“ weiterlesenWie Körpergewicht die Hirnvernetzung beeinflusst
In einer aktuellen Studie unter der Federführung des Marburg-Münster-Netzwerks, an der auch wir beteiligt waren, wurde untersucht, ob ein höherer Body-Mass-Index (BMI) mit Veränderungen der strukturellen Hirnvernetzung zusammenhängt – und ob sich dieser Zusammenhang zwischen gesunden Menschen und Patientinnen und Patienten mit Major Depression unterscheidet. Grundlage waren Daten von insgesamt 1.598 Teilnehmenden, darunter 746 Personen mit Depression und 852 gesunde Kontrollen. Mithilfe diffusiongewichteter MRT-Daten und Traktographie wurde das strukturelle Konnektom des Gehirns analysiert, also das Netzwerk der weißen Substanzverbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen.
„Wie Körpergewicht die Hirnvernetzung beeinflusst“ weiterlesenTabletten, Film, Schmelztablette oder Gel – was für Menschen mit MS im Alltag wirklich besser funktioniert
Orale Medikamente gehören für viele Menschen mit Multipler Sklerose ganz selbstverständlich zum Alltag – sei es als krankheitsmodifizierende Therapie oder zur symptomatischen Behandlung. Gleichzeitig ist genau diese Selbstverständlichkeit trügerisch. Denn je nach Behinderungsgrad, Feinmotorik, Mundgefühl oder Schluckfunktion kann die Einnahme einer Tablette deutlich anspruchsvoller sein, als man im klinischen Alltag oft annimmt. In unserer aktuellen Studie wollten wir deshalb systematisch untersuchen, welche orale Darreichungsform von Menschen mit MS eigentlich als am besten handhabbar erlebt wird.
„Tabletten, Film, Schmelztablette oder Gel – was für Menschen mit MS im Alltag wirklich besser funktioniert“ weiterlesenStammzellähnliche-Gedächtnis-T-Zellen bei Anti‑GAD65‑Antikörper‑assoziierten neurologischen Syndromen: Neue pathophysiologische Einblicke aus unserer aktuellen Studie
Anti‑Glutamat Decarboxylase 65 (GAD65)‑Antikörper‑assoziierte neurologische Syndrome sind immunvermittelte Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) betreffen. Die pathophysiologischen Mechanismen sind bislang nur unzureichend verstanden und das Ansprechen auf aktuell verfügbare Therapien ist häufig begrenzt. Dies führt nicht selten zu lebenslangen neurologischen Beeinträchtigungen.
„Stammzellähnliche-Gedächtnis-T-Zellen bei Anti‑GAD65‑Antikörper‑assoziierten neurologischen Syndromen: Neue pathophysiologische Einblicke aus unserer aktuellen Studie“ weiterlesenPsoriasis unter B-Zell-Therapien bei MS – was unsere multizentrische Analyse zeigt
Autoimmune Komorbiditäten spielen bei der Therapieentscheidung in der Multiplen Sklerose eine größere Rolle, als man im Alltag manchmal denkt. Besonders die Psoriasis ist hier relevant. Zum einen ist sie bei Menschen mit MS häufiger als in der Allgemeinbevölkerung beschrieben, zum anderen stellt sie immunologisch eine besondere Konstellation dar: Während B-Zell-depletierende Therapien bei MS hochwirksam sind, ist die Psoriasis überwiegend T-zellvermittelt. Genau daraus ergibt sich die klinisch spannende Frage, ob B-Zell-Therapien eine Psoriasis auslösen oder verschlechtern können – und wie relevant dieses Problem im Alltag wirklich ist.
In unserer aktuellen multizentrischen Analyse haben wir deshalb 3228 MS-Patientinnen und -Patienten unter B-Zell-depletierenden Therapien an vier deutschen Universitätskliniken ausgewertet. Gesucht haben wir nach neu aufgetretener Psoriasis oder einer Verschlechterung einer bereits bekannten Psoriasis unter Ocrelizumab, Ofatumumab oder Rituximab. Das Ergebnis ist zunächst beruhigend: Insgesamt war dieses Ereignis selten. Sieben Patientinnen und Patienten entwickelten eine Psoriasis neu, bei zehn kam es zu einer Verschlechterung einer bekannten Psoriasis. Damit lag die Rate insgesamt bei etwa 0,5 Prozent.
Trotz der Seltenheit ist das klinisch relevant. Denn die Verläufe zeigen, dass es sich nicht nur um eine theoretische Nebenwirkung handelt. Im Median traten neue oder verschlechterte Psoriasis-Symptome nach 13 Monaten unter fortlaufender B-Zell-Therapie auf. Dabei war die klinische Ausprägung durchaus unterschiedlich: Patientinnen und Patienten mit neu aufgetretener Psoriasis zeigten im Median stärkere Hautmanifestationen als diejenigen mit einer Exazerbation einer bereits bekannten Erkrankung. Vermutlich spielt hier auch eine frühere Erkennung bei vorbekannter Psoriasis eine Rolle.
Die gute Nachricht aus unserer Analyse ist, dass die meisten Fälle gut behandelbar waren. In vielen Situationen reichten topische Therapien wie Calcipotriol oder Steroide aus, ohne dass die MS-Therapie abgesetzt werden musste. Nur in einem kleineren Teil der Fälle waren Therapieanpassungen notwendig – etwa ein Wechsel der MS-Therapie oder die zusätzliche Einleitung einer psoriasis-spezifischen Immuntherapie wie Secukinumab. Besonders relevant war dies bei höherer Psoriasis-Last oder bei psoriatischer Arthritis, wo eine rein lokale Therapie naturgemäß oft nicht ausreicht.
Inhaltlich interessant ist vor allem die immunologische Einordnung. Dass Psoriasis unter B-Zell-Depletion auftreten oder sich verschlechtern kann, wirkt auf den ersten Blick paradox. Gerade das macht die Beobachtung aber so spannend. B-Zell-Therapien hemmen nicht einfach nur “Entzündung”, sondern verschieben Immunnetzwerke. Denkbar ist, dass durch die Depletion regulatorischer B-Zell-Populationen proinflammatorische T-Zell-Achsen, insbesondere Th17-vermittelte Prozesse, weniger gebremst werden. Genau diese Achsen spielen bei der Psoriasis eine zentrale Rolle. Unsere Daten beweisen diesen Mechanismus nicht, sie passen aber gut zu der Hypothese, dass B-Zell-Depletion bei einzelnen Patientinnen und Patienten ein ohnehin vorhandenes psoriatisches Milieu demaskieren oder verstärken kann.
Für die Praxis heißt das vor allem: Psoriasis unter B-Zell-Therapien bei MS ist selten, aber real. Sie sollte deshalb bei neuen Hautveränderungen oder einer dermatologischen Verschlechterung mitgedacht werden. Gleichzeitig sprechen unsere Daten klar dagegen, dieses Risiko zu überschätzen. In der großen Mehrzahl der Fälle lässt sich die Situation mit etablierter Psoriasistherapie gut kontrollieren. Nur bei schwereren Verläufen muss die MS-Therapie angepasst oder um eine gezielte dermatologische Systemtherapie ergänzt werden.
Aus unserer Sicht unterstreicht die Arbeit vor allem eines: Bei MS geht es bei der Therapiewahl nicht nur um Krankheitsaktivität und Wirksamkeit, sondern auch um das Zusammenspiel mit autoimmunen Komorbiditäten. Gerade die Psoriasis ist ein gutes Beispiel dafür, dass moderne Hochwirksamkeitstherapien neue Fragen an der Schnittstelle zwischen Neuroimmunologie und systemischer Autoimmunität aufwerfen – und dass man diese im Alltag interdisziplinär denken muss.

