Stroke aftercare in Germany- results of an online survey in the outpatient area of a Neurovascular Network

In Zusammenarbeit mit Robin Jansen

Die akute Schlaganfallbehandlung in Deutschland hat durch standardisierte Algorithmen und zertifizierte Schlaganfallstationen (Stroke Units) ein hohes Niveau erreicht. Jedoch besteht eine erhebliche Lücke in der strukturierten, bundesweiten Nachsorge. Eine Umfrage unter niedergelassenen Ärzten im regionalen neurovaskulären Netzwerk NEVANO+ deckte auf, dass Hausärzte und Neurologen als Hauptakteure in der Nachsorge angesehen werden. Allerdings existieren erhebliche Defizite in der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit, was zu einer fragmentierten Versorgung führt.

Das Netzwerk NEVANO+ zeichnet sich durch seinen ausgeprägten interdisziplinären Charakter aus. Es vereint Expertise aus verschiedenen medizinischen Fachbereichen, darunter Neurologie, Neurochirurgie, Gefäßchirurgie, Radiologie und Rehabilitation. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht eine umfassende Versorgung von Schlaganfallpatienten, sowohl in der Akutphase als auch in der Nachsorge. Dennoch zeigt die Umfrage, dass die intersektorale Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitssystem weiter verbessert werden muss.

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen den dringenden Bedarf an einer verbesserten Koordination zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitssystem. Dies umfasst nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Neurologen, sondern auch die Einbeziehung von Rehabilitationseinrichtungen, geriatrischen Kliniken, Therapeuten und Selbsthilfegruppen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Etablierung klar definierter Kommunikationswege und die Nutzung von standardisierten Instrumenten wie Nachsorge-Checklisten, um einen reibungslosen Übergang von der stationären zur ambulanten Versorgung zu gewährleisten.

Stroke-Units könnten eine Schlüsselrolle in der Koordination der Nachsorge übernehmen, indem sie als zentrale Anlaufstellen fungieren. Ihre Aufgaben könnten die Bereitstellung von Checklisten, die Vernetzung mit Selbsthilfegruppen, die Organisation von Schulungen und die Koordination von Therapien umfassen. Die Erweiterung bestehender neurovaskulärer Netzwerke um Reha-Kliniken, geriatrische Kliniken und niedergelassene Ärzte könnte die interdisziplinäre Kommunikation und Zusammenarbeit weiter verbessern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einbeziehung von Therapeuten wie Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten in die Nachsorge. Die Umfrage ergab, dass die Verfügbarkeit dieser Therapien in einigen Regionen als unzureichend wahrgenommen wird. Eine verbesserte Koordination und Vernetzung dieser Therapeuten mit den behandelnden Ärzten ist daher unerlässlich.

Die Einbindung von Selbsthilfegruppen in die Nachsorge kann den Patienten und ihren Angehörigen wertvolle Unterstützung bieten. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann dazu beitragen, die psychischen und sozialen Folgen eines Schlaganfalls besser zu bewältigen. Die Umfrage zeigte jedoch, dass die Kenntnis und Nutzung von Selbsthilfegruppen bei den befragten Ärzten begrenzt ist.

Um die Qualität der Schlaganfallnachsorge nachhaltig zu verbessern, sind weitere Studien erforderlich. Diese Studien sollten untersuchen, wie sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit, der Einsatz von Checklisten und die Einbindung von Selbsthilfegruppen auf die Lebensqualität der Patienten auswirken. Zudem ist die Entwicklung von Finanzierungsmodellen notwendig, die eine sektorenübergreifende Versorgung ermöglichen.

Quelle: Lee, John-Ih et al. “Stroke aftercare in Germany: findings from an online survey in the outpatient setting of a neurovascular network.” Frontiers in neurology vol. 16 1507003. 12 Mar. 2025, doi:10.3389/fneur.2025.1507003